Ich liege im Bett mit einem Mann, der mir sehr vertraut ist. Ich sehe ihn als meinen Partner. Wir machen nichts besonderes, wir liegen nur so da und reden. Im Zimmer ist noch eine Freundin von mir. Sie ist noch etwas jünger als ich, also so Anfang 20. Wir warten alle auf den Vater meines Freundes. Meine Freundin möchte mit ihm sprechen, es ist sehr wichtig für sie, denn sie braucht seine Hilfe. Die beiden kennen sich schon und sie freut sich auf ihn. Bald darauf kommt der Vater und geht mit meiner Freundin ins Nebenzimmer.
Ich liege mit meinem Freund immer noch im Bett. Wir sehen uns einen Film an. Ich höre nun, wie die beiden im Nebenraum Sex haben. Ich höre ihren Atemrhythmus und sehe meinen Freund an. Ich frage ihn, ob er das auch hört und bin sehr überrascht. Mein Freund geht nicht auf meine Fragen ein und tut so, als wäre nichts. Ich spüre, wie unangenehm es ihm ist. Ich spüre hingegen Lust in mir aufkommen und neugierig lausche ich dem Liebesakt. Ich bleibe aber im Bett still liegen und warte.

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Obwohl ich zu etwas Lust habe, bleibe ich still und überschreite nicht meine selbstgesetzten Grenzen. Ich bewerte die Situation (moralische Vorstellungen) und halte mich auch an die Bewertung meines Gegenübers.
Ich gebe nicht offen zu, was ich spüre und stehe zu meinen Gedanken. Ich würde gerne meiner Energie nachgeben und tue es nicht und lausche lieber im Verborgenen, wo ich keine Gefahr eingehe. Das Bett und den anderen Mensch neben mir, deute ich als Symbol für Sicherheit.

Zukunft klopft an die Tür
und doch ist es gleich
kennst du das?
unsichtbar ist meine Neugierde
nur im Glanz der Augen kann sie jeder sehen
fähigkeiten machen mich nicht aus
tief in mir ist es still

Ich möchte jetzt hier wieder schreiben und meine Zeit verfolgen. Gestern hatte ich ein sehr wohltuendes Gespräch mit D., dass mir Mut und Kraft gegeben hat. In den letzten Wochen war ich sehr kraftlos. Ich setzte mir innerlich sehr viele Regeln, die ich einhalten “muss”. Ich presse mich in Fortbildungen, in Freundschaften, in meine Rolle als Erzieherin und sage mir, dass ich alles schaffen muss, da ich vor mir das Bild einer strarken Frau habe. Bis jetzt habe ich das Wort Verantwortung immer falsch verstanden. Verantwortung hieß für mich bisher, durchzuhalten, für die Kinder da zu sein, die Tanzausbildung durchzuziehen. Eben nicht sagen zu können, dass ich müde bin, dass ich genervt bin, dass ich nicht mehr mitmachen möchte. Ich habe nun entschieden, die Tanzausbildung abzubrechen, obwohl ich kurz vor der Prüfung stehe. Allein dass ich in der Absage zu mir stehe und zugebe, dass so wie es gerade ist, ich sie nicht beenden kann, gibt mir Kraft. A., mit dem ich eine Freundschaft habe, sagte ich, dass ich eine Zeit keinen Kontakt mehr möchte. Mit meinem Chef hatte ich ein Gespräch, in dem ich beschrieb, dass ich momentan nur noch genervt bin und für die Kinder keine Kraft habe. Die Gründe haben alle nur mit mir zu tun aber Verantwortung besteht darin, dass ich dazu stehe und es zugebe. Meine inneren Regeln ließen bisher gar nicht zu, dass ich mich einfach so von allem befreien darf. Doch nun bin ich gerade dabei aufzuräumen und zu all dem zu stehen, was ich momentan nicht mehr kann oder machen möchte.
In letzter Zeit war ich sehr auf der Suche nach einer neuen Arbeitsstelle und einer “äußeren” Veränderung in meinem Leben. Doch es ist eine innerliche Veränderung in meinem Kopf, die statt finden muss. Ein neuer Arbeitsplatz würde die erste Zeit neue Kraft geben, doch würde ich früher oder später wieder an das Thema kommen, was gerade da ist. Es wäre zeitlich nur verschoben und ich würde wieder in ein Loch fallen. Ich möchte mich noch mehr meinen inneren Regeln und Mustern stellen und Verantwortung übernehmen.

Dieses Tagebuch ist geschlossen.

Heute Nacht hatte ich viele Traumbilder. Das Gelesene von letztem Abend beschäftigte mich. Als ich in der Nacht aufwachte, standen eine Antwort und eine Frage vor mir. Das habe ich öfter. Manchmal bewege ich Inhalte im Traum und ich denke darüber nach. Das kann irgendwie gar nicht sein, denn ich schlafe ja. So nehme ich es aber wahr. Ich wache dann in der Nacht auf und es kann sein, dass ich mir selbst laut Antworten gebe, oder Fragen stelle. So war es heute Nacht wieder. Ich werde ein Papier neben mein Bett legen, denn jetzt kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich weiß nur noch, dass ich mich mit der Vergänglichkeit von Liebe beschäftigte. Vergänglichkeit schmerzt mich, warum?

Völlig zwei verschiedene Tage liegen hinter mir. Gestern erlebte ich mich wie geöffnet. Die Augenblicke mit den Kindern waren tief und ruhig. Wir saßen zusammen, sangen, flöteten oder schwiegen einfach nur. In den Momenten konnte ich die Kraft spüren, die aufkommt, wenn Menschen einfach nur da sind. Wie eine Spirale empfand ich diese Energie, sie ist unendlich weit und wurde immer tiefer. Es entstanden Gespräche über Bäume, über den Wind und über die Kindheit. Wir waren unberührt von unseren kleinen Zwängen und Dingen, die uns ablenken hätten können. Gleich wurde die ganze Gruppe von dieser Atmosphäre beeindruckt und es war mir, als schwimmen wir zusammen in einem warmen Fluss. An solchen Tagen geht alles wie von selbst. Die Zeit ist aufgehoben und das Alltägliche, was uns sonst so oft beeinflusst, war unwichtig und klein.

Umso stärker sprang mir heute der Druck in den Nacken. Viel stärker als sonst wurde ich mit Verantwortlichkeiten und Entscheidungen konfrontiert. Druck, Nacken, Verantwortung, Konfrontation- Welch starke Konsonanten diese Worte doch haben. Schon diese ersten zwei Sätze zeigen viel.

In Gedanken war ich bei der Verantwortung und den Entscheidungen. Es gelang mir selten, sie beiseite zu schieben und die Kraftspirale von gestern war nicht mehr zu spüren. Tatsächlich setzte sich der Druck in meinem Nacken fest und es brannte neben dem großen Halswirbel. Nun sind wieder einige Sachen entschieden und doch steht so vieles vor mir. Das Brennen erinnerte mich wieder an meine bevorstehende Leber- und Gallenreinigung, die einfach noch warten muss. Ich sehne mich sehr danach, Ruhe zu haben, um sie durchzuführen. Der Alltag lässt es noch nicht zu und so einige Erledigungen müssen gemacht werden. Nach der Arbeit ging ich laufen. Geschütz und wie unter einem Dach lief ich unter den Bäumen hindurch. Ich atmete durch und empfand den Moment. Der Blick öffnete sich wieder und der Druck fiel langsam von mir ab. Später setzte ich mich an den Fluss. Im Kerzenschein las ich ein Buch von Hermann Hesse, der mich fand und den ich wohl schon lange suchte. Ein wunderbarer Schriftsteller ist er. Fast liebevoll und manchmal gierig lese ich in seinen Büchern. Noch nie fand ich mich selbst in Romanen wieder, selten hat mich ein Schriftsteller so berührt.

Von einer Reise träumte ich heute Nacht. Ich war in einem Zug. Erst fuhr der Zug auf Gleise, doch dann sah ich, dass er seinen vorgezeichneten Schienenweg verließ und andere Wege einschlug. Ich war überrascht und voller Bewunderung, dass dieser Zug nicht auf Gleise angewiesen war. Ein Bekannter war bei mir. Wir unterhielten uns. Der Zug hielt in einer bergigen Landschaft. Ich erkannte den Ort wieder und dachte im Traum, dass ich zuvor von dieser Landschaft, von diesem Ort, schon einmal träumte. Dies war  mein Impuls. Ich verabschiedete mich von meinem Bekannten und sagte überraschend, dass ich aussteige. Nicht nur ihn überraschte es, auch ich selbst war verblüfft. Zwischen den Hügeln gab es kleine Häuser. Es waren einfache, bäuerliche Häuser, die dort freundlich und hell standen. Kurz hielt ich mich an dem kleinen Bahnhof auf und sprach mit einer älteren Frau. Sie war etwas kühl und eckig. Ein älterer Mann mit einem Hund kam vorbei und grüßte mich neugierig. Ich frage diese Menschen etwas. Doch gaben sie mir wohl keine wichtige Auskunft, denn ich ging weiter und dachte nicht mehr über sie nach. Weiter auf meinem Weg kam ich zu einer Gruppe von jungen Menschen in meinem Alter. Da ich nicht wusste, wo ich hingehen möchte, blieb ich bei ihnen stehen und kam mit ihnen ins Gespräch. Sie luden mich in ihr Haus ein. Dort aßen wir zusammen und ich bewunderte später ihr Haus, welches doch sehr anders war, als  gewöhnliche Wohnhäuser. Auch der wunderschöne, blühende Garten machte einen starken Eindruck auf mich. Entlang dieses Hauses sah ich einen langen, schmalen Pfad, der in das Land führte. Ich verabschiedete mich und ging den Weg.

Gestern in der Ruhe kam das Bild des Waldes, in dem ich zuvor war, in mir hoch. Der Wald zeigte mir etwas sehr wichtiges. Als ich in dem Wald war, betrachtete ich die verschiedenen Bäume und Pflanzen, die es dort gab. M. und ich liefen über das weiche Gras und unterhielten uns. Niemals wäre ich auf den Gedanken gekommen, mir nun vier weißblühende Apfelbäume in den Wald zu wünschen. Zu meinem Leben ist das ein guter Vergleich. Ich stehe im Wald und sehe nicht, dass dort eine Birke steht, eine Eiche und ein Ahornbaum, da ich mir so sehr vier weißblühende Apfelbäume wünsche. Ich erkenne nicht, dass schon alles da ist in meinem Leben, was ich mir wünsche. Ich erkenne noch nicht die volle Pracht der Birke, kann noch nicht ihren schönen gefärbten Stamm bewundern. Ich lege mich noch nicht unter den großzügigen Schatten der Eiche und komme zur Ruhe und die Kastanien des Ahornbaumes fallen, ohne dass ich sie bewundere. Es ist schon alles um mich herum, es ist nur in anderer Form um mich. Das Leben ist einfach schon da und es gilt nur, es in seinen Formen und Ausdrücken wahr zu nehmen. Eigentlich ist es sehr einfach und befreiend. M. lehrte mir gestern genau hinzusehen. Wir betrachteten Blumenformen und Blätter. Genaue Betrachtung braucht Zeit und Stille, auch dies war wieder eine wichtige Erinnerung und sehr lehrreich.

In diesen Gedanken sank ich tief in mein Bett ein. Erst bildeten sich Formen vor meinem Auge. Sie waren nah, ich konnte sie nicht direkt erkennen, es war eher so wie volle, runde Bewegungen vor meiner Stirn. So nah waren sie noch nie und mit der Zeit nahm ich wahr, dass die Formen sich entfernten und verschwanden. Ich lag nur still. Ich spürte, wie meine Hüfte und mein Unterbauch Richtung Erde sanken. Sehr schwer sanken sie zu Boden und gleichzeitig hob sich vom Bauchnabel aufwärts mein Oberkörper in Richtung Decke. Erst war mir seltsam zu mute und ich wunderte mich. So eine Art von Entspannung hatte ich eigentlich noch nie gespürt. Durch das Absinken und das gleichzeitige Erheben hatte ich ein Gefühl von Schwerelosigkeit, was immer stärker wurde. Umso mehr ich diesem Gefühl nachspürte, umso tiefer ging es in meinen Körper ein.

Danach schlief ich ein. Als ich in der Nacht aufwachte, empfand ich eine wunderbare Leichtigkeit auf meinen Schultern. Es war mir, als hätte jemand einen schweren Rucksack von meinem Rücken genommen. Ganz wohl und leicht fühlte ich mich in meinem Körper. Es regnete stark an meine Fensterscheibe und als ich von der Toilette wieder kam, bemerkte ich, wie tief ich geschlafen hatte. Mit dem Regen schlief ich bald wieder ein.

Ich spüre gerade dem letzten Eintrag nach. So banal wie mir es zuvor schien, so mehr drängt es mich jetzt, mich weiter damit zu beschäftigen. Was weiß ich denn über diese Familie? Erst einmal bastele ich mir aus dieser Begegnung eine Vorstellung zusammen, wie belebend und stärkend eine Familie und eine Partnerschaft sein müssen. Ich nehme aus meiner Umgebung immer Fragmente auf und daraus entstehen Ideen in mir, was ich nicht habe und was ich noch bräuchte… So schnell puzzle ich in meinem Kopf Lösungen zusammen, die mir “weiterhelfen” würden. Ich spürte die Begegnung mit den Kindern so stark, dass ich mir danach wünschte, einmal selber Kinder zu haben. In dem Moment hatte ich aber gar keine Schmerzen oder Leidenschaften. Es war einfach wunderbar, wie die Kinder immer näher zu mir kamen und meine Nähe suchten. Das war echt in diesem Moment da. Wie kann ich denn davon ausgehen, dass es mit eigenen Kindern anders ist? Geht es nicht um die Liebe, die ich zu diesen Kindern spürte, als wir zusammen waren? Es ist ja so, als ob ich ihnen nicht so viel geben könnte, da sie nicht meine eigenen Kinder sind. Das sehe ich jetzt als völliges Missverständnis an. Egal, ob ich Kinder oder Freunde treffe, ich kann immer völlig da sein und einfach das geben, was ich in diesem Moment selbst habe. Es macht keinen Unterschied, ob es eigenen Kinder, ein eigener Partner ist, oder Freunde und Bekannte sind. Gerade Kinder nehmen diese wahre Wärme ohne Kompromisse an und leben auch im Moment.

Zum meinem “Schmerz” zurück. Mein Körper erinnert mich gerade sehr daran, dass ich mich gut um ihn kümmern muss. Ich habe mehrere Leber- und Gallenreinigungen vor mir, die mich vielleicht vor einer Operation behüten können. Ich möchte meinem Körper durch diese Reinigungen dazu verhelfen, sich selbst von den Steinen zu befreien. Die Kuren setzten viel Ruhe uns Stille voraus. Reinigung braucht immer viel Zeit und Klarheit. Mein Körper sagt nun ganz klar zu mir, dass ich endlich aus meinen Träumereien komme und bei mir bleibe. Bei mir bleiben, heißt nicht, dass ich mich von den Menschen isoliere oder irgendwie etwas verändern muss, sondern, dass ich meine Vorstellungen durchschaue und den Moment so erleben kann, wie ich eben gerade bin. Jede Minute in meiner Arbeit mit den Kindern erlebe ich, dass sie mich in meinem Wesen erleben wollen.

Ich kann nur sehr schwer und langsam akzeptieren, dass ich bei mir bleiben muss. Vielleicht habe ich sogar schon in der Familie gesehen, dass auch dies keine Ablenkung von sich selbst sein darf. Ich hätte so gerne Ablenkungen und andere Menschen die mich füllen, damit ich mich endlich nicht mehr einsam fühle. Ich fühlte neben dem Schmerz auch eine Abneigung, eine leise Lüge in mir, während ich die Familie erlebte. Das hatte nichts mit den Kindern zu tun, da bin ich mir selber noch nicht sicher, was diese Abneigung auslöste. Was ich erkennen kann ist, dass mein Körper mich ganz klar darauf hinweist, dass es nun höchste Zeit ist, auf mich zu hören und nicht wieder wegzusehen. Es kommt mir vor, als würde ich selbst zu körperlichen Mitteln greifen, um endlich mir selbst zu glauben.

Ständig reflektiere und bewerte ich meinen Tag. Dieses Wochenende war einfach und schön. Ich traf eine befreundete Familie und erlebte einen Tag mit ihnen. In einem Moment empfand ich den Geschmack, wie wunderschön und stärkend es ist, eigene Kinder zu haben. Es ist immer wieder wunderbar für mich Kinder zu erleben. Auch diese drei Kinder nahmen mich auf und zeigten ihre reinen kindlichen Gesichter. Diesen Tag erlebten wir “Erwachsene” wie in einem Fluß. Alles war so reibungslos und harmonisch, dass wir uns darüber freuten und genossen. Als ich das starke Liebesgefühl, welches in einer Familie herrscht fühlte, wurde ich auch traurig. Ich dachte gleichzeitig an A. und spürte einen Schmerz. Erst dachte ich, dass in mir ein starkes Mitgefühl für seine Situation sei. Ich konnte seine Schmerzen spüren, die er wohl haben muss. Dann wurde mir aber klar, dass es mein Schmerz war. Ich wünsche mir auch Menschen um mich herum, denen ich vertraut bin, die mich brauchen und lieb haben. Gleichzeitig kann ich das kaum zugeben, da ich es als Schwäche bewerte. Ich bewerte es als Sehnsucht, die ich nicht haben darf, da ich eine selbstständige, losgelöste Frau sein möchte, die auf niemanden angewiesen ist. Ich möchte niemanden brauchen und von niemanden gebraucht werden…das ist schwach. Es ist auch so, dass es niemanden gibt, der mich braucht oder den ich brauche. Das Teilen ergibt sich immer aus dem Moment. Aus den Momenten, wo ich mit jemanden zusammen bin, egal ob es Kinder oder Freunde sind. Ich denke, dass es immer tiefer und reicher sein muss. Ich möchte tiefer berührt sein und stehe mir so selbst im Weg. Ich habe eine Vorstellung, dass irgendwann jemand kommt, der in eine tiefere Auseinandersetzung mit mir gehen möchte und mit dem ich in eine tiefere Auseinandersetzung gehen kann. Ich warte immer darauf. Dabei bin ich eigentlich nur blockiert und schließe mich in meinen melancholischen Kokon.

Für die vergangen Tage kann ich nur dankbar sein und lasse sie nun einfach ruhen.

Ich treffe F.. Ich verliebe mich wieder in ihn. So sehr begehre ich seine warme, braune Haut. Ich verliere mich in seinen weichen, schönen Lippen. Bei jeder Berührung durchfährt es meinen Körper. Wir sind uns so nahe und alles ist still. Ich habe eine Tochter an meiner Seite. Sie ist vielleicht 6 Jahre alt. Sie braucht mich und kommt immer wieder sehr nahe auf mich zu. Meine Tochter und ich gehen sehr liebevoll miteinander um. Meine Tochter strahlt eine reine Kindlichkeit aus und ist sehr schön.  Zwischen ihr und mir gibt es keine Missverständnisse. Mit F. genieße ich die Stunden zu zweit. Wir lieben uns oft und mit viel Zeit. Doch spüre ich, dass ich mich verliere in ihm. Ich liege wieder  in F.´s Armen als ich meine Augen aufschlage und meinen Bruder erkenne. Er sagt mir, dass ich mich täusche. Ich bin getäuscht und verdreht in und von der Körperlichkeit mit F.. Ich bin verdreht wie die wunderschönen schwarzen Locken auf   F´s. Kopf. Verwickelt habe ich mich darin und mich nur durch die Wärme und Weichheit unserer Körperlichkeit treiben lassen.

Jetzt nach diesem Traum fühle ich Wärme und Weiblichkeit in mir. Gleichzeitig fühle ich mich gewarnt von meinem Bruder, der wie mein Gewissen auftritt. Der Traum zeigt meine Auseinandersetzung zwischen meinem Körper und meinen Gedanken. Viele Fragen sind zu diesem Thema in mir. Ich sehe den Zusammenhang zu meiner Diagnose, die mir ein Arzt vor kurzer Zeit stellte. Es wurden Steine in meiner Galle gefunden. Er riet mir, die Gallenblasen entfernen zu lassen. Ich wehre mich dagegen. Jedes Organ im Körper hat seine Funktion und sein eigenes emotionales Thema. Für mich ist der Rat zu dieser Operation das Gesicht unserer Zeit. Mal schnell etwas herausschneiden und alle Probleme sind vergessen. Doch die Frage, was ich an meiner geistigen Einstellung ändern kann, um keine Steine mehr zu bilden, kann ich nicht stellen, denn darauf haben die Mediziner keine Antwort. Diese Antwort kann mir auch keiner geben, denn das muss ich für mich finden. Das ist mir klar, doch das Gesicht der Zeit ist, dass die Schulmediziner nicht einmal an so eine Frage glauben. Vielleicht bringt eine Op einfach auch nur mehr Geld… Ich bade momentan im Rätsel zwischen Körper und Geist. Der Traum spiegelt auch Wünsche nach Nähe wieder. Ich wünsche mir Nähe und kommt mir jemand nahe, schalten sich meine Vorstellungen ein. Gerade spüre ich viel Geduld in mir. Geduld, die mir sagt, dass ich meine Wünsche haben darf, aber es eben nur Wünsche sind, die mich nicht verwirren müssen. Sie sind da und das weiß ich. Doch erlebe ich nervöse Momente, in denen ich etwas erzwingen möchte und andere Momente, die so weit und offen sind, in denen ich so ruhig und still bin. In diesen ruhigen Momenten sehe ich durch zwei andere Augen. Ich taste mit zwei anderen Händen. Ich atme durch einen anderen Mund und spreche andere Worte. Es sind bewusste Worte und kein Wort ist zu viel. Dann bin ich wieder laut am Lachen, der Materialismus kriecht wie eine kalte Nässe in mich, ich spüre Eifersucht und Neid. Jedes Wort ist dann zu viel und keines hat eine Bedeutung. Ich sehe auf Menschen herab und belächle sie. Bin völlig verbunden mit allem und bekomme keine Luft mehr, bis ich mich wieder erinnere.

 

Juli 2009
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