Völlig zwei verschiedene Tage liegen hinter mir. Gestern erlebte ich mich wie geöffnet. Die Augenblicke mit den Kindern waren tief und ruhig. Wir saßen zusammen, sangen, flöteten oder schwiegen einfach nur. In den Momenten konnte ich die Kraft spüren, die aufkommt, wenn Menschen einfach nur da sind. Wie eine Spirale empfand ich diese Energie, sie ist unendlich weit und wurde immer tiefer. Es entstanden Gespräche über Bäume, über den Wind und über die Kindheit. Wir waren unberührt von unseren kleinen Zwängen und Dingen, die uns ablenken hätten können. Gleich wurde die ganze Gruppe von dieser Atmosphäre beeindruckt und es war mir, als schwimmen wir zusammen in einem warmen Fluss. An solchen Tagen geht alles wie von selbst. Die Zeit ist aufgehoben und das Alltägliche, was uns sonst so oft beeinflusst, war unwichtig und klein.
Umso stärker sprang mir heute der Druck in den Nacken. Viel stärker als sonst wurde ich mit Verantwortlichkeiten und Entscheidungen konfrontiert. Druck, Nacken, Verantwortung, Konfrontation- Welch starke Konsonanten diese Worte doch haben. Schon diese ersten zwei Sätze zeigen viel.
In Gedanken war ich bei der Verantwortung und den Entscheidungen. Es gelang mir selten, sie beiseite zu schieben und die Kraftspirale von gestern war nicht mehr zu spüren. Tatsächlich setzte sich der Druck in meinem Nacken fest und es brannte neben dem großen Halswirbel. Nun sind wieder einige Sachen entschieden und doch steht so vieles vor mir. Das Brennen erinnerte mich wieder an meine bevorstehende Leber- und Gallenreinigung, die einfach noch warten muss. Ich sehne mich sehr danach, Ruhe zu haben, um sie durchzuführen. Der Alltag lässt es noch nicht zu und so einige Erledigungen müssen gemacht werden. Nach der Arbeit ging ich laufen. Geschütz und wie unter einem Dach lief ich unter den Bäumen hindurch. Ich atmete durch und empfand den Moment. Der Blick öffnete sich wieder und der Druck fiel langsam von mir ab. Später setzte ich mich an den Fluss. Im Kerzenschein las ich ein Buch von Hermann Hesse, der mich fand und den ich wohl schon lange suchte. Ein wunderbarer Schriftsteller ist er. Fast liebevoll und manchmal gierig lese ich in seinen Büchern. Noch nie fand ich mich selbst in Romanen wieder, selten hat mich ein Schriftsteller so berührt.
Von einer Reise träumte ich heute Nacht. Ich war in einem Zug. Erst fuhr der Zug auf Gleise, doch dann sah ich, dass er seinen vorgezeichneten Schienenweg verließ und andere Wege einschlug. Ich war überrascht und voller Bewunderung, dass dieser Zug nicht auf Gleise angewiesen war. Ein Bekannter war bei mir. Wir unterhielten uns. Der Zug hielt in einer bergigen Landschaft. Ich erkannte den Ort wieder und dachte im Traum, dass ich zuvor von dieser Landschaft, von diesem Ort, schon einmal träumte. Dies war mein Impuls. Ich verabschiedete mich von meinem Bekannten und sagte überraschend, dass ich aussteige. Nicht nur ihn überraschte es, auch ich selbst war verblüfft. Zwischen den Hügeln gab es kleine Häuser. Es waren einfache, bäuerliche Häuser, die dort freundlich und hell standen. Kurz hielt ich mich an dem kleinen Bahnhof auf und sprach mit einer älteren Frau. Sie war etwas kühl und eckig. Ein älterer Mann mit einem Hund kam vorbei und grüßte mich neugierig. Ich frage diese Menschen etwas. Doch gaben sie mir wohl keine wichtige Auskunft, denn ich ging weiter und dachte nicht mehr über sie nach. Weiter auf meinem Weg kam ich zu einer Gruppe von jungen Menschen in meinem Alter. Da ich nicht wusste, wo ich hingehen möchte, blieb ich bei ihnen stehen und kam mit ihnen ins Gespräch. Sie luden mich in ihr Haus ein. Dort aßen wir zusammen und ich bewunderte später ihr Haus, welches doch sehr anders war, als gewöhnliche Wohnhäuser. Auch der wunderschöne, blühende Garten machte einen starken Eindruck auf mich. Entlang dieses Hauses sah ich einen langen, schmalen Pfad, der in das Land führte. Ich verabschiedete mich und ging den Weg.